1968

Großübung „Bau einer 16-Tonnen-Fähre“

Nach langer Vorbereitung war es Samstag, den 29. Juni 1968 so weit: Wir fuhren an den Rhein nach Mehlem. Dort sollten wir eine 16 Tonnen–Fähre bauen und „Fahren auf dem Wasser“ üben. Morgens um 6 Uhr fuhren 28 Helfer unter der Führung von Ausbildungsleiter Heinz Körper über die Autobahn zum Rhein.

In Mehlem trafen wir auf unsere Kollegen aus Wanne–Eickel unter der Führung von Zugführer Karl Nadolny. Gemeinsam fuhren wir zu einer Halle. Nun war Körperkraft gefragt, denn erst musste das dort gelagerte Material auf LKW verladen werden. Am Übungsplatz hatten die Köche Wiede und Krakat für uns ein Frühstück vorbereitet.

Anschließend begannen wir mit dem Bau der Fähre. Zunächst bauten wir zwei 8 Tonnen–Fähren. Diese wurden miteinander verbunden, so dass eine 16 Tonnen-Fähre entstand. Die war 27 Meter breit und 15 Meter lang. Im Ernstfall konnten 100 Personen und 4 Bullis damit transportiert werden. Ein Motorboot und zwei Außenbordmotoren machten die Fähre beweglich. Ein Nebenarm des Rheins bot Platz für Fahr–und Anlegeübungen. Der Samstag verging mit einem gemütlichen Beisammensein.

Sonntagmorgen um ½ 9 Uhr waren wir schon wieder am Wasser. Bei schwüler Hitze und strahlendem Sonnenschein schien uns das der beste Ort. Wie trennten die Fähre und verluden die eine Hälfte. So erhielten wir eine 8 Tonnen–Fähre. Mit dieser übten wir dann An– und Ablegen, Anker werfen und lichten. Sie war bedeutend leichter zu bedienen als das 16 Tonnen Ungetüm. Am meisten machten die Fahrübungen nach Kommando Spaß.

Nach dem Mittagessen bauten wir auch diese Fähre ab und verluden sie. Danach ging es wieder in Kolonnenfahrt heimwärts. Wir waren alle der Meinung, viel gelernt zu haben.

Quelle: Egon Heist

1968

Die Nacht, als der Regen kam

Eine schwüle Hitze brütete seit Tagen über unserer Stadt. Als am 15. Juli 1968 -es war ein Samstag gegen 18 Uhr- erste Regentropfen fielen, atmeten die Menschen auf. Endlich Abkühlung. Aber dann kam ein Gewitter mit Donner und Blitz. Um 20 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen. Wie eine Wand aus Wasser kam der Regen vom Himmel. Die Kanalisation schaffte das Wasser nicht. Binnen kurzem waren die ersten Keller vollgelaufen. Die Hilferufe gingen im Minutentakt bei der Feuerwehr ein.  

Um 22.15 Uhr wurde das THW alarmiert. Die Kraftfahrer überführten 2 GKW, 3 MKW´, eine Pumpe und einen Fukow zum Treffpunkt an der Feuerwache. Geschäftsführer Helmut Mette blieb dort beim Krisenstab, während Bereitschaftsführer Heinz Körper den Einsatz vor Ort leitete.

Die erste Gruppe stand der Polizei zur Seite, die die Altstadt absperrte und den Verkehr umleitete. Die anderen Gruppen brachten auf der Beethovenstraße, Wittener Straße und Glückaufstraße Kinder, alte Leute und Möbel aus Parterrewohnungen in die erste Etage in Sicherheit.

Mitten in der Arbeit kam ein Hilferuf aus Ickern. Die Emscher war zu einem reißenden Fluss angeschwollen und über die Ufer getreten. Treibgut staute sich vor zwei Brücken und drohte, diese wegzuschwemmen. Eine Gruppe wurde abgezogen und nach Ickern kommandiert. Durch 1,50 Meter tiefes Wasser kämpften sich die Helfer zu den Einsatzorten durch. Sie kamen gerade noch rechtzeitig. Mit langen Einreißhaken entfernten sie die ganze Nacht angeschwemmtes Treibgut und retteten so die Brücken vor dem Einsturz.

Dann wurde die zweite Gruppe nach Ickern nachgeführt. In der Karolinenstraße errichteten sie einen Damm aus Sandsäcken und räumten einige Wohnungen total leer.

Die ganze Nacht und den folgenden Tag war in Castrop und Ickern das Geräusch der Pumpen zu hören. Am frühen Morgen verteilte ein Bäcker am Vinckeplatz Gebäckteilchen und Kaffee an die Helfer, die ihn dafür dankbar ansahen. Zum Reden fehlte ihnen die Kraft. Am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr wurden die THW–Helfer von ihren Kameraden abgelöst. Auch diese hatten noch den ganzen Tag mit pumpen und ersten Aufräumungsarbeiten zu tun.

Auch weiterhin war das THW mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Als am Montagabend Entwarnung gegeben wurde und alle Helfer einrückten, gab es keinen, der nicht froh darüber war.

Später sagte der Geschäftsführer Helmut Mette bei einer Pressekonferenz: „Die Leute waren uns ja so dankbar, dass wir ihnen geholfen haben, Menschen und Tiere in Sicherheit zu bringen. Die Bevölkerung verhielt sich sehr besonnen, Panik habe ich nirgends festgestellt“.

Quelle: Egon Heist

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